Montag, 23. April 2012

Wie war das nochmal mit der Pflanzenhaarfarbe?

Mittlerweile haben 137 Leute nachgelesen, wie ich hier zum ersten Mal mit Pflanzenhaarfarbe (PHF) gefärbt habe, deshalb dachte ich, dass ich das ganze Prozedere mal genauer beschreibe und ein paar wichtige Tipps und Tricks dazu gebe. Natürlich bin ich kein PHF-Profi, aber Versuch macht kluch ;) und es gab mittlerweile auch ein paar Pannen bei mir, die ich anderen Anfängern ersparen möchte.

Warum/ wann sollte man sich für PHF entscheiden?

Mittlerweile ist das Silikonproblem ein altbekanntes. Ich möchte da nichts mehr aufwärmen oder noch mal durchkauen, nur so viel: Ich nutze seit etwa zwei Jahren keine silikonhaltige Haarpflege mehr. Am Anfang habe ich noch meine Haare blondiert, dann kam der Umschwung mit Rotbraun. Und während Wasserstoffperoxid auch die dickste Silikonschicht noch ganz gut durchdringt, kann das bei anderen Farben oder auch Tönungen nicht der Fall sein. Das Ergebnis wird fleckig, die Farbe hält nicht so lange etc. pp. 

Zusätzlich sind die meisten Kuren, die Farben beiliegen, so ganz und gar nicht silikon- und parabenfrei -  äußerst kontraproduktiv! Nachdem ich mich eine ganze Weile lang mit Tönungen über Wasser gehalten hatte, entschied ich mich für PHF. Warum? 
  • PHF pflegt die Haare und lässt sie voluminöser erscheinen. Man benötigt keine Kur nach dem Färben.
  • PHF-behandelte Haare glänzen schöner, die Farbe sieht natürlicher aus.
  • PHF hält länger als konventionelle Farbe.
  • PHF kann man individuell mischen (auch wenn Haarefärben dadurch manchmal zum Experiment wird). Ich nutze zum Beispiel immer mehrere Töne, vor kurzem Bronze und Nussbraun. 
Gründe, die gegen PHF sprechen:
  • Das Färben dauert lange (zwei bis vier Stunden mindestens für sichtbare Ergebnisse), erfordert Fingerspitzengefühl bei der Anmischung und, wenn möglich, einen Helfer.
  • Im Sommer ist die Prozedur aufgrund der benötigten Wärme manchmal unangenehm.
  • Keiner kann dir sagen, wie die Farbe an deinen Haaren aussehen wird. Das Ergebnis ist individuell und kann daher auch leicht in die Hose gehen (so ist es aber auch bei anderen Haarfarben). Aschtöne gibt es gar nicht, heller färben geht nicht.
  • Soweit ich weiß, ist das Überfärben (mit konventionellen Farben) von PHF schwierig - ich hab es aber noch nicht probiert.
  • PHF kann Dreck machen, mehr als konventionelle Farben. 
Einige der negativen Punkte sind für mich nichtig, weil ich darauf vorbereitet bin, zum Beispiel weiß ich mittlerweile, was für ein Ergebnis ich erwarten kann, wie lange ich warten muss, und wie ich Dreck vermeiden kann. Deshalb überwiegen für mich auf jeden Fall die positiven Punkte. Neutral bewerte ich den Heugeruch nach dem Färben, denn mittlerweile mag ich ihn.

Doch wie wird's gemacht?

Man nehme eine beliebige PHF


Ich hatte erst Khadi Nussbraun und Hellbraun, da die aber nur übers Internet zu beziehen sind und ich spontan Haarfarbe kaufen können wollte, benutze ich seit etwa fünf Monaten Sante... und da die unterschiedlichsten Töne. Sante PHF bekommt man in begrenzter Auswahl bei dm und mit mehr Nuancen bei Müller.
Unterschiede sind vor allem in der Mahlung festzustellen: Khadi ist feiner und etwas leichter zu verarbeiten. Dafür find ich die Aufmachung von Sante besser. Man bekommt eine Wärmehaube dazu und, wenn auch gephotoshopt, einen ungefähren Farbeindruck auf der Verpackung. Preislich liegen sowohl Khadi als auch Sante bei 4,95€ pro Packung. Ich brauche für einmal Färben etwa eine Packung (mische aber zwei Farben ineinander).

Für schulterlange Haare entnimmt man der bzw. den Packungen etwa 10 EL des Pulvers. Ich hab etwas längere Haare, deshalb habe ich mehr genommen. Meine Mischung ist ungefähr halb Bronze und halb Maronenbraun. 

Unten Maronenbraun, oben Bronze

Dann kocht man starken Schwarztee. Manche erwärmen auch Rotwein für einen stärkeren Rotstich. Wer es nicht so kräftig haben, nimmt einfach warmes Wasser. Warum warm? Weil die Wärme die roten Pigmente löst. Und die möchte ich ja haben :)


Während der Tee zieht, solltet ihr eure Haare mit einem Peelingshampoo waschen (Sante Lavaerde, Balea Pure&Fresh oder ein anderes), damit die PHF auf den Haaren haftet.

Langsam mischt man nun Tee und Pulver.


Für die Pflege kommt noch NK-Spülung dazu. Ich mache das, weil PHF alleine bei trockenen Längen etwas austrocknend wirken kann. Andere benutzen hier Öl... aber da das eventuell die Farbabgabe hemmen könnte, greife ich lieber zu alverde.

Die Mischung dampft, deshalb sieht das Bild überbelichtet aus.

Immer schön rühren. Auf diesem Bild sieht man eine etwas zu trockene Mischung.


Ich habe sie dann noch etwas sämiger gemischt. Trotzdem solltet ihr vorsichtig sein, denn eine zu flüssige Mischung fließt euch später durch die Wärme davon. Ich hatte schon mal PHF im Ohr... nicht lecker, kann ich euch sagen, und eine furchtbare Sauerei.

Ab mit der (etwas abgekühlten, aber noch nicht kalten) Mischung auf die handtuchtrockenen Haare. Meine liebe Mitbewohnerin hilft mir da immer. Sie sagt, sie macht das gern, und ich weiß auch, warum :) Wenn die ganzen Haare mit Mischung bedeckt sind, formt sie auf meinem Kopf immer lustige Sachen. Hundehaufen, Obelisken... ;) Der Spielmatz. Davon gibt es aber keine Fotos.  Reiner Selbstschutz ;)

Allzweckcreme ist unerlässlich für eine saubere Umgebung ;)
Wenn der Spieltrieb befriedigt ist, kommen Wärmehaube und Wollmütze auf den Kopf. Und jetzt warten... mindestens zwei Stunden solltet ihr schon einplanen, besser wären vier. Die ganz Harten lassen die Farbe über Nacht einwirken. Wäre mir aber nichts.


Nach den vier Stunden wird ausgewaschen. Achtung! Wenn Wasser auf die PHF trifft, wird der Kopf extrem schwer und es ziept und zerrt an den Haaren. Das ist der einzige Moment, den ich beim Färben hasse. Versucht den Stress für die Haare zu minimieren, indem ihr sie mit den Händen haltet. Auch hier ist beim ersten Mal PHF eine zweite Person sehr hilfreich. 

Ich würde euch raten, die PHF nicht an dem Tag auszuspülen, an dem ihr die Wanne/ das Bad frisch geputzt habt... nur so als Tipp ;)


Dann einfach nur noch trocknen und fertig: 

PHF-Haare :)

Direkt nach dem Färben sind die Haare noch trocken und dunkeln innerhalb der nächsten 24 Stunden nach.
Einen Tag nach dem Färben, ohne Blitz aufgenommen
Mit Blitz

Das Ergebnis kann noch einen Tag lang nachdunkeln. Manche Hersteller empfehlen eine Ölkur einen Tag nachdem man gefärbt hat. Ich hab das noch nie gemacht... aber schaden kann es sicherlich nicht.

 Eine ältere Mischung mit mehr Maronenbraun:

Mit Blitz. Der Rotstich ist nur im starken Licht so krass

Das war's.

Habt ihr PHF schon mal probiert? Warum (nicht)? Was sind eure Erfahrungen damit?

Liebe Grüße

Wombattante
 

1 Kommentar:

  1. Meine Mutti färbt schon seit Jahren mit PHF, weil sie die anderen nicht verträgt und das Ergebnis auch sehr schön ist. Sie färbt kastanienbraun oder etwas in dieser Richtung. Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlecht, finde ich ^_^

    Kommt bei dir heute noch ein Nagellack-Post oder hast du es wegen der Vorbereitungen nicht geschafft deine Nägel zu lackieren?

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