Sonntag, 26. Februar 2012

Belated Film-Freitag # 19 - Plain Janes and Heartthrobs

Wie schwer ist es eigentlich, wieder in die Film-Freitag-Routine reinzukommen?! Seitdem ich bei buntewollsocke (noch) mehr zu Urheberrecht und dergleichen gelesen und mich wieder an meine tollen Medien- und Presserechtsvorlesungen erinnert habe (oooh, mein toller, charismatischer Dozent :) , traue ich mich nicht mehr so recht, meine üblichen Filmplakatposts zu machen und überlege hin und her, wie ich meine doch sehr textlastigen Film-Freitage optisch interessanter machen kann. Und ich komm' da einfach nicht weiter. Theoretischerweise könnte man schon Probleme kriegen, wenn man ungefragt youtube-Videos einbindet...
Da die Film-Freitage aber meistens um die drei vier Stunden an sich benötigen, ohne Recherche, kann ich mich auch nicht durchringen jede Woche tausende Bildanfragen rauszuschicken. Ich bin absolut ratlos, wie ich meine geliebte Tradition weiterführen kann, ohne irgendwelchen Ärger zu provozieren. Eigentlich haben mir die bildgestützten Posts immer sehr gut gefallen und ich hatte das Gefühl, da wirklich etwas eigenes gefunden zu haben. Schade eigentlich...

Welche Filme waren also in den vergangenen Wochen für mich bemerkenswert? Noch taufrisch sind Jane Eyre (Achtung! Suchtgefahr!), aber die BBC-Fassung von 2006 mit Ruth Wilson (perfect plain Jane) und Maggie Smith-Sohn Toby Stephens und Ziemlich beste Freunde (frz. Intouchables), den ich endlich endlich mit meinem Herzallerliebsten im Kino bestaunt habe.

Jane Eyre hat mich als Buch anfangs kalt gelassen... bis, ja bis ich mich immer mehr mit Jane zu identifizieren begann, die Ausdrucksweise Charlotte Brontes (imagine the two dots please ;) lieben lernte und mich die Geschichte um das unlikely couple in den Bann zog. Das war vor etwa fünf oder sechs Jahren. Filmversionen hab ich seitdem verschmäht, weil sie das alles eben doch nicht wiedergeben können würden. Dachte ich. And oh how wrong I was. Jane Eyre aus dem Jahre 2006 ist düster, wenn es sein muss, witzig und behutsam modernisiert, und herrlich, vor allem dann, wenn Mr Rochester und Jane Eyre sich ihre gar nicht so subtilen Wortgefechte liefern. Ist es immernoch eine schmonzettige Liebesgeschichte? Ja. Stört mich das? Nööö. Nicht ganz so leichtfüßig wie ITVs Northanger Abbey (2007), aber das ist ja auch nicht im Sinne der Vorlage. Wenn ihr mal 202 Minuten zur Verfügung habt, mit Erkältung oder ähnlichem im Bett liegt oder einfach mal die Welt da draußen Welt sein lassen wollt, seht euch diese herrliche Produktion an!

Überleitungen sind heute nicht so mein Ding, deshalb nur schnell eine Erklärung was die heartthrobs im Titel angeht. Ich schwärme schon seit langer Zeit für französische Filme, das passt natürlich perfekt zu dem Hype um Ziemlich beste Freunde, meint ihr nicht auch?! ;)
Seit etwa 9 Monaten steht mein MA Arbeitsthema: Menschen mit Behinderung und vor allem Mobilitätseinschränkungen in europäischen und US-amerikanischen Medien. Dementsprechend "heiß" war ich auf Ziemlich beste Freunde. Zwei Angehörige gesellschaftlicher Minderheiten (Ethnischer und "körperlicher" Natur) treffen aufeinander und freunden sich trotz oder gerade aufgrund extremer sozialer Unterschiede an. Basierend auf einer wahren Geschichte, wenn auch sicherlich doch zum Teil sehr beschönigend "aus dem Leben gegriffen", erzählt Ziemlich beste Freunde eigentlich eine recht simple Geschichte von Außenseitern. Der eine hat Geld wie Heu, freundliche Assistenten en masse, und wenig Lebensmut, weil er seit einem waghalsigen Unfall querschnittsgelähmt ist, der andere ist arm, schwarz, respektlos, laut und eckt überall, wo es nur geht, an. Driss (Omar Sy)  gefällt Philippe (François Cluzet) eben gerade weil er kein gesellschaftlich eingepflanztes Mitleid, kein tip toeing around disability, praktiziert. 

Ich denke, genau dadurch lebt dieser Film. Mein werter Herr Wombat und ich waren zum Teil geschockt, wie unverblümt Driss über Behinderungen sprach und dieser Schock war heilsam, ja geradezu notwendig. Er erinnerte mich immer wieder daran, wieviele Menschen versuchen, angesichts einer Behinderung eines Mitmenschen, ja nichts falsches zu tun und dadurch stock steif wirken. Ich nehme mich da selber nicht aus - auch ich bin überfordert oder frage mich, was genau die Menschen haben und wie die ihren Alltag meistern (wie übrigens auch Raul Krauthausen, bitte hier klicken für einen tollen Vortrag zu dem Thema von ihm). Wie schnell wird vergessen, dass das immer und ausschließlich Menschen sind, mit Wut im Bauch, mit jeder Menge Träumen und Ambitionen etc pp. Da gibt es kein us and them. Deshalb finde ich Ziemlich beste Freunde gut, da der Film leichtfüßig, manchmal aber auch mit derben Humor versucht, klar zu machen, dass es hier um Menschen geht. 

Auch wenn mir der Reichtum Philippe's noch schwer im Magen liegt - wahre Geschichte hin oder her,  er kann sich die Pflege und alles, was sein Leben in irgendeiner Art und Weise angenehmer machen kann, leisten. Arm und "behindert" zu sein ist doppelt und dreifach so schwer in einer Gesellschaft, die ewige Jugend, Schönheit und Gesundheit propagiert. Nur ist das eben nicht ein Thema für eine Komödie. Auch Driss' Armut wird nur marginal thematisiert oder plakativ als comic relief genutzt. Boah, Maserati, eigenes Bad, das er mit keinem teilen muss! Mit dem verdienten Geld hilft er erst spät seiner Mutter, die so viele Kinder versorgen muss, dass ich mit dem zählen der Kleinen gar nicht hinterher gekommen bin. Wie ihr seht bin ich hin und her gerissen: Ja, der Film war schön, ich habe gelacht und geweint und mich in keiner Sekunde gelangweilt. Und ein Film ist immernoch kein gesellschaftliches Heilmittel. Trotzdem ist es erschreckend, dass die Freundschaft im Film wohl nur durch eins ermöglicht wurde, durch Geld. 

Da ich in den vergangenen Wochen keinen besonderen Flop im Kopf behalten habe, komme ich gleich zu meinem Must-see: Ab nächster Woche, genauer gesagt ab 2. März kommt in den USA Being Flynn in die Kinos (trailer hier). Schon die ersten Worte des trailers lassen mein Herz hüpfen: Robert de Niros Stimme, eine geschichtenerzählende Hauptperson, und Mark Twain und J.D. Salinger in einem Satz erwähnt. Ich rieche einen etwas alltäglicheren Zauber als den, der von Big Fish versprüht wird (mal so nebenbei: Ich liebe Big Fish, auch wenn dieser Film einfach mal extrem überbordende Fantasie zur Schau stellt... oder gerade deswegen), but, nevertheless, magic. 

Vater-Sohn-Geschichten sind nicht selten in Hollywood und elsewhere. Wir können uns alle, zumindest zum Teil, mit schwierigen Elternbeziehungen identifizieren. Und dann BÄM... Jonathan Flynn (de Niro), der Autor, der sich mit Twain und Salinger gleichsetzt, sagt, dass er ein Autist ist. Ich habe hier schon von einigen Filmen über Menschen im autistischen Spektrum berichtet. Ich bin gespannt, ob Autismus hier nur eine Nebenrolle spielen wird. Was bleibt mir mehr zu sagen: Autoren im Film, eine Mission um sich selbst zu finden, den Vater in sich, vielleicht auch den Arsch, der sich nie wirklich um andere Menschen kümmert?! Ich möchte das sehen...

Liebe Grüße

Wombattante

Kommentare:

  1. schön und interessant geschrieben :)

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  2. Jaja, die Urheberrechte sind so eine Sache für sich. Aber irgendwie find ich das für so ein Review nicht gerade schlimm. Also das ist ein Filmposter, das man am Kino auch bloß abfotografieren kann...Prinzipell versteh ich aber schon die, äh, Sorgen verstehen.

    Mal was anderes, du hast ein neues Hintergrundbild. Leider sieht man irgendwie nur den Wombatkörper, net den Kopf. Aber knuffig nevertheless.

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  3. @Caro: Danke! :)

    @Andrea: Jaa, das Wombat ist schüchtern. Kommt auf verschiedenen Bildschirmen sehr unterschiedlich raus. Beim werten Herrn M. sieht man das ganze Beuteltier ;)

    Liebe Grüße

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