Freitag, 13. Januar 2012

Film-Freitag # 17 - Stars




Eigentlich wollte ich ja Ode to My Family zur musikalischen Untermalung des ersten Film-Freitags im neuen Jahr nehmen, doch Stars passt ebenso. Auch wenn die Weihnachts-Friede-Freude-Eierkuchen-Zeit nun vorbei ist, widme ich diesen Blogpost meiner Familie. Ihr seid der chaotischste, anstrengendste Haufen, den ich kenne, aber ihr habt mir Wurzeln und Halt gegeben. Ohne euch und eure vielen Geschichten wäre mein Leben um einiges trauriger und leerer. Danke!

Vor ungefähr vier oder fünf Jahren bekam ich zu Weihnachten ein wunderbares Buch, dass unter anderem eben dieses Thema  - Familiengeschichte - behandelte. Traurig, absurd, witzig war es und ich war nach der Lektüre absolut von dem Talent des Autors überzeugt. So sehr, dass ich auch heute noch jedem Jonathan Safran Foer ans Herz lege. Sein Extremely Loud and Incredibly Close (dt. Extrem laut und unglaublich nah), das Buch, welches mich damals so begeistert hat, wurde nun verfilmt. 

via moviepostercom

Daher ist der Film, welcher auch Extremely Loud and Incredibly Close heißen und ab 16. Februar auch hier in Deutschland zu sehen sein wird, mein Must-See der Woche. Im Buch werden mehrere Erzählstränge verfolgt. Zum einen ist da der des kleinen Jungen Oskar Schell, welcher seinen Vater am 11. September verloren hat. Er ist hochbegabt, unglaublich einfallsreich (wenn er nicht einschlafen kann, erfindet er aberwitzige Dinge), altklug und furchtbar traurig. Er war, wenn man das so sagen darf, ein Papakind und liebte die "Reconnaissance Expeditions", die sein Vater für ihn erfand. So überrascht es Oskar auch nicht, als er Monate nach dem Tod seines Vaters einen Schlüssel mit einem Hinweis findet... das kann doch nur ein neues Rätsel sein. Mit Mut und viel Fantasie geht er auf die Suche nach dem Schloss in den der Schlüssel passt.
Dann ist da noch die Geschichte seiner Großmutter und seines Großvaters, die beide den Bombenangriff auf Dresden überlebten und sich zufällig Jahre später in New York trafen. Auch sie verloren geliebte Menschen und versuchen mit diesem Trauma umzugehen, jeder auf seine Weise, wie eben auch Oskar. 

Schon beim Schreiben bin ich unzufrieden mit meiner Zusammenfassung - Safran Foers Buch ist so viel mehr als das! Aber eben genau deswegen glaube ich, dass dieser Stoff schwer zu verfilmen ist.  Der wunderbare Papa von Oskar wird von Tom Hanks dargestellt, welcher meiner Meinung nach viel zu alt dafür ist. Dazu kommt Sandra Bullock als Mum - eine recht undankbare Rolle, wenn man ihren Stellenwert im Buch betrachtet. Über allem schwebt der Geist des Vaters. Oskar nimmt seiner Mutter vieles übel... und behandelt sie oft auch unfair. Vielleicht ist die Rolle gerade auch deswegen interessant, aber ich bin mir nicht sicher, ob Bullock hier die Richtige ist. Und dann noch Oskar: Ich kann mir gut vorstellen, dass Hollywood da seinen Weichspüler angesetzt und nur vor Schmalz triefende Szenen übrig gelassen hat. Aber Oskar ist eben kein normales Kind und ob man das, und sein emotionales Innenleben, welches oft genug zu Tränen rührt, aber einen auch Sekunden später laut loslachen lässt, kann ich mir auf der Leinwand so nicht gut vorstellen.
Dann noch das Setting: New York ist da, meiner Meinung nach nicht das Problem, sondern eher Dresden. Die Angriffe auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 gehören zu den erschütternsten Szenen, die ich je in einem Buch gelesen habe. Ich kann mir vorstellen, dass da einiges unter den Tisch fallen gelassen oder weniger intensiv gezeigt wird. Obwohl gerade das für mich das wichtige war: Da sind zwei Generationen, die eine erlebte den zweiten Weltkrieg mit, die andere 9/11, und beide durchleiden Traumata, die für viele Menschen nicht begreifbar sind in ihrem Ausmaß. Da lässt sich nichts relativieren, auch wenn Menschen, Filmmacher und auch Wissenschaftler oft dazu neigen. 

Nichtsdestotrotz bin ich gespannt. Wir werden sehn.

Geflopt ist die derzeitige Staffel von Goodbye Deutschland. Man möchte die ganze Zeit den Fernseher anschreien, wenn die Familie in Spanien sich immer tiefer in ihr Unglück und in den finanziellen Ruin reitet und immer mehr unsinnige Aktionen macht, wenn ein Bayer, der von Wetteinnahmen lebt, seinen armen hüftkranken Hund mit auf eine Wanderung bis nach Marbella nimmt, nur um eine Frau zu treffen, die er aus dem Internet kennt und mit der er sich nicht einmal ansatzweise verständigen kann. Wenn ein abgehalfterter Würstchenmillionär zu all dem seinen sprichwörtlichen Senf dazu gibt und sich nicht schämt, dass er nach gut 10 Jahren in Marbella noch kein Wort Spanisch sprechen kann. Mittlerweile schäme aber ich mich, dass ich diese Sendung überhaupt noch ansehe; vergleichbar ist das nur noch mit Schaulustigen, die einen Unfall begaffen. 

Noch taufrisch sind zwei Filme: 

via freecodesource

Die herrlich schräge (Tragi?)Komodie/ Satire Unconditional Love (dt. Wer tötete Victor Fox?, trailer hier).  Zunächst war ich etwas verwundert, als ich den Film in der Hand hielt: Warum hatte ich denn diesen Quatsch auf meine Leihliste gesetzt?! Aber dann sah ich Kathy Bates und mir war klar: Fried Green Tomatoes (dt. Grüne Tomaten)!! Wer diese Frau einmal in Frischhaltefolie eingehüllt auf ihren Mann warten gesehen hat, um wieder Pepp in ihre Ehe zu bringen, der will mehr. LOL. Nein, mal ernsthaft: Unconditional Love ist herzerfrischend anders und ja, ich habe gerade das Omawort "herzerfrischend" verwendet ;)

Der britische Schlagersänger Victor Fox, seines Zeichens Frauenschwarm (siehe Rex Gildo), wird mit einem Armbrustpfeil ermordet. Ein Schock für Grace (Kathy Bates), die ihn doch so gerne einmal live gesehen hätte. Im Grunde genommen war Fox ihr einziger Lichtblick im grauen Chicago-Alltag. Ihr Mann hat sie verlassen, ihr Sohn hat sich von seiner Frau getrennt... und sie hat das Gefühl, nicht wirklich zu leben. Sie beschließt das zu ändern, indem sie nach England reist, um beim Begräbnis von Fox dabei zu sein. Dort trifft sie auf Dirk (ein wunderbarer Rupert Everett!!), den "Assistenten" bzw. langjährigen Freund des Sängers. Nach anfänglichen Schwierigkeiten vertraut er Grace, welche mich mit ihrer supercoolen Einstellung Homosexuellen gegenüber total positiv überrascht hat. Nix da spießige, weltfremde Hausfrau! Im Allgemeinen ist das ein Film, der sich absolut genial einigen gesellschaftlichen Minderheiten annimmt, warmherzig und ehrlich ist und einfach nur Spass macht. So ist zum Beispiel Grace' Schwiegertochter eine "Zwergin" (sagt sie selbst so) und absolut frech und ehrlich über ihre Situation. Ihre bitterbösen Kommentare sind für mich das Highlight des Films. Without further ado: Angucken! Lohnt sich!

Nein, das ist nicht The Art of Flight, das ist die Wombattante ;)

Der zweite Film hat in mir das Verlangen nach sofortigem Winterurlaub geweckt. Die Rede ist von The Art of Flight (trailer hier). Diese Snowboard-Doku ist einfach nur atemberaubend, manchmal auch extrem angsteinflössend, aber immer so wunderschön fotografiert, dass man gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht. Als die endcredits liefen, war ich total erstaunt - "was, schon vorbei?!" Ich werde niemals so mutig oder auch tollkühn/verrückt/bekloppt wie die Snowboarder in diesem Film sein, aber trotzdem hab ich jetzt Lust drauf, mein Board von der Wand zu holen und loszudüsen.   

Liebe Grüße

die Wombattante 
 

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