Samstag, 5. November 2011

Film-Freitag # 10 - Meer wollen

Jaa, ich hab's mal wieder nicht rechtzeitig geschafft. Gestern war ich aber auch so müde, dass ich noch vor 10 im Bett verschwunden bin... ich werd wohl alt. Oder ich brauch Winterschlaf. Oder beides. Jedenfalls fällt für die Uni viiiiiel Arbeit an und deshalb gibt's heut nur eine kurze Filmvorstellung.

Zum Must-See der Woche

Erst dachte ich, dass ich mit Margaret (Interesse? Siehe hier) meinen Kandidaten hätte - die Geschichte eines Teenagers, welcher mitansieht wie ein Mensch angefahren wird und stirbt und dann mit diesem Trauma leben muss. Seltsam dabei: Anna Paquin ist heute fast 30; auch wenn der Film vor 6 Jahren gedreht wurde, empfinde ich es als mehr als weird, dass eine 23jährige einen Teenie spielen muss. Wie wäre es, wenn man mal dem Alter entsprechend Darsteller sucht?! Und, als ob das Trauma nicht schon so reicht, fängt Anna Paquin's Rolle was mit ihrem Lehrer an. Na ich weiß ja nicht.  

via Elizabeth Olsen.org

Aber dann stolperte ich über Martha Marcy May Marlene (oh ja, ich hab's diese Woche mit Frauennamen, ansehen könnt ihr den trailer hier). Dieser trailer hat mich dann doch verstört. Als 14jährige hab ich das Buch von Lukas "Vier Jahre Hölle und zurück" gelesen, in dem es um den Aussteiger aus einer satanistischen Sekte ging... und auch wenn es mittlerweile sehr umstritten ist und an seiner Authentizität gezweifelt wird, hat mich der Inhalt im negativen Sinne fasziniert. Vor einiger Zeit hab ich mich dann für Charles Manson und den Kult um ihn interessiert, erstens, weil mich diese Wissenslücke schon immer gestört und zweitens, weil ich die Ausstrahlung des Mannes mit dem Hakenkreuz auf der Stirn immer angewidert hat. Im Grunde genommen ist das ja auch richtig, denn er hatte von Anfang an das Label Mörder und Wahnsinniger. 

Ich denke, dass Martha Marcy May Marlene lose an den Kult um Manson anknüpft. Der zeitlich erste Teil des Films spielt auf einem abgelegenen Hof in den Catskills - ja, das lässt natürlich Parallelen zu Rip van Winkle und seinen langen Schlaf zu, vielleicht soll das auf die gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die Sekten heute zu teil wird, hindeuten, jedenfalls erscheint es mir für die Medien bisher wie ein Thema aus den 60er und 70ern. Hier wird Martha, die von dem charismatischen Anführer der Sekte in Marcy May umgetauft wird, in den Bann einer Gruppierung gezogen, die sich hierarchisch organisiert. Es gibt teacher und es gibt leader; beide scheinen über Leben und Tod entscheiden zu dürfen. Schon im trailer gibt es eine Szene in der der Führer Martha dazu auffordert, Katzen zu erschießen (schon da kriegt die Wombattante Panik). 
Als sie sich weigert, meint er, sie könne als Alternative ja einen der anderen Sektenmitglieder erschießen... starker Tobak. 

Der zeitlich zweite Teil des Films spielt nach Marthas Flucht zu ihrer Schwester. Und erst da machen sich die Wunden und krassen Umerziehungsmaßnahmen der Sekte bemerkbar. Und hier scheint Elizabeth Olsen, jüngere Schwester von Mary-Kate und Ashley, erst richtig ihr Talent unter Beweis stellen zu können . Interessant ist auch John Hawkes, welcher den Anführer des Kultes spielt: Äußerlich erinnert er mich an Vincent Cassel (den ich großartig finde),  stimmlich ist er der Wahnsinn (siehe trailer) und dazu kommt noch, dass ich ihn definitiv schon einmal in einer krassen Rolle gesehen habe... bloß in welcher, daran erinnere ich mich gerade nicht. 
Für alle, die ähnlich gespannt auf diesen Film sind wie ich, heißt es hier in Deutschland jedoch warten warten warten, denn das Release Date ist *Trommelwirbel* der 8. März 2012. Schande, oder?

Geflopt ist wie letzte Woche mein DVD-Verleih. Echt ohne Worte. Erst kommt eine Woche lang nichts, dann darf ich nicht gleich melden, dass nichts kommt, weil man da eine bestimmte Frist einhalten muss, und dann klappt's auf einmal doch. Am Vorabend gemeldet, am nächsten Tag da. Da frag ich mich doch, ob das Geldschneiderei ist... 


via ths-pressident

Noch taufrisch ist Vincent will Meer (engl Vincent Wants to Sea; trailer siehe hier). . Hach ja. Vom tollen Drehbuch über die großartigen Charaktere bis hin zu einem herausragenden Florian David Fitz ist das ein rundum gelungener Film. Ich habe jede Sekunde mitgelitten, gelacht, Landschaft und Freiheit mitgenossen und mich begeistern lassen. Sonst immer skeptisch, was deutsche Serienschönlinge im Allgemeinen und im Besonderen angeht, hat mich der Fitz hier aber mal sowas von umgehauen. Ja, der Mann hat was. Aber auch Johannes Allmayer hat mich einfach mal umgehaun... was hab ich über Alexander und seine Neurosen gelacht. 

Die Einzige, die abfällt, ist Karoline Herfurth. Die Darstellung von Magersucht ist nicht einfach und sie hat es auch nicht schlecht gemacht, jedoch hat sie die Krankheit nicht wirklich verstanden (siehe Making-of). Magersucht hat viel mit Kontrolle, mit sich selbst falsch sehen, mit gut fühlen durch Hungern zu tun - nicht nur mit "langsam verschwinden wollen", das ist meiner Meinung nach zu eindimensional gedacht.  Es mag nicht fair sein, dass ich Herfurths Leistung durch ihre eigene Aussage herabwerte, aber sie hat mich eben enttäuscht. Ich habe selbst jahrelang mit Essstörungen und einer verzerrten Selbstwahrnehmung gelebt (bin deswegen natürlich noch lange kein Experte, das will ich auch nicht sagen) und finde ihr fehlendes Einfühlungsvermögen schade. Denn eigentlich mag ich sie sehr. 

Vincent will Meer passt übrigens auch perfekt in meine Recherche für meine MA Arbeit... über die gibt es aber erst einen Post, wenn ich richtige Ergebnisse vorzuweisen hab. 

Das war's erstmal von mir.

Liebe Grüße

die Wombattante 

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