Montag, 24. Oktober 2011

Hidden Gem: Third Star

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Durch Glück und Zufall habe ich gestern endlich Third Star sehen können (hier hatte ich im Film-Freitag schon davon berichtet). Meine Erwartungen waren hoch, die Bilder des trailers poetisch. Dazu noch Benedict Cumberbatch und JJ Feild in einem Film...

Sagen wir es mal so, ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn mich der Film vollkommen enttäuscht hätte. Indie-Produktionen sind ja meist eher schwer zugänglich, und die Krebsthematik scheint zwar momentan auch Hollywood für sich entdeckt zu haben (siehe 50/50 und Restless, Film-Freitag #3), sie ist dennoch sperrig und schwer zu inszenieren. Mal überwiegt die Melodramatik, mal der Kitsch - mal ist es eine Gefühlsduselei vor dem Herrn, mal zu unterkühlt behandelt. Third Star gelingt die Gratwanderung meiner Meinung nach sehr gut.

James via


Worum geht's? James (Benedict Cumberbatch) hat Krebs. Er ist 29, weiß aber schon, dass er seinen dreißigsten Geburtstag nicht mehr erleben wird. Zusammen mit seinen drei besten Freunden, die ihn von Kindheit und Jugend an begleitet haben, macht er sich auf die Reise zu dem seiner Meinung nach schönsten Ort der Welt: Barafundle Bay in Wales. 

Davy (Tom Burke) ist derjenige, der sich von Anfang an um James gekümmert hat, er hilft James' Familie, er versorgt ihn auf der Reise mit Medizin, er ist immer da und es fällt ihm schwer Verantwortung abzugeben. Als das Gewissen der Gruppe versucht er Miles (JJ Feild) und Bill (Adam Robertson) immer wieder von albernen und/ oder waghalsigen Vorhaben abzuhalten, was ihm natürlich meistens nicht gelingt.
Bill ist der einzige der Jungs, der in einer Beziehung lebt, wenn auch nicht glücklich.... außerdem arbeitet er als Kameramann. Er bleibt den Film über relativ blass, die Symbolik hinter seinem Charakter blieb mir fast bis zum Ende hin verborgen. 

Miles ist ein charismatischer Draufgänger; sein Vater war Schriftsteller und starb an Krebs als Miles gerade mal 16 war... James' Krankheit ist für ihn demnach schwer zu fassen. Er und James wollten beide Schriftsteller werden, keiner hat es geschafft -  Miles vor allem aus Angst anhand der Werke seines Vaters bewertet und als nicht talentiert genug empfunden zu werden. 

Miles (Feild), Davy (Burke) und Bill (Robertson) via

James selbst schwankt zwischen Selbstmitleid, Scheiß-egal-Stimmung und Arroganz - ER hat nicht mehr lang zu leben und verurteilt jeden, der seine Zeit nicht genießt und nutzt, um Großartiges zu vollbringen. 
Wie ihr euch sicher schon denken könnt, ist das eine explosive Mischung ;) und es kommt zu einigen Vorfällen, die die vier durchzustehen und zu klären haben.

Ein fünfter Hauptdarsteller im Film ist Wales mit seiner herrlichen Landschaft. Poetische Bilder von Meer, Himmel, Pferden, Weite, einer Welt in der es meist nur die vier Kumpels gibt, verzaubern und nehmen natürlich das ohnehin schon gemäßigte Tempo aus dem Film. Versteht mich nicht falsch, er ist auf keinen Fall langatmig. Vielmehr muss man sich auf ihn und seine Symbolik einlassen und einfach mal die (Uhr-)Zeit hinter sich lassen. 

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung. Ich würde den Film zwischen Fish Tank, einer Milieustudie über ein Mädchen in den Londoner problem areas, und Inside I'm Dancing, einem Buddy-movie über zwei Menschen mit Behinderung, die versuchen selbstbestimmt zu leben, ansiedeln. Interessanterweise sind beide britische bzw. irische Produktionen... da hab ich mich wohl in die britische Schule verguckt ;)

Liebe Grüße 

Wombattante

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