Freitag, 9. September 2011

Film-Freitag #5 Schulerinnerungen und der Kalte Krieg

Es ist mal wieder Freitag... in Gedanken seh ich die roten, samtigen Sessel des Kinos des kleinen unabhängigen Ortes, in dem ich zur Schule gegangen bin. Der einzige Kinosaal ist altmodisch ausgestattet und mir von tollen Filmen wie Besser geht's nicht, Titanic, oder auch Nikolaikirche wohl bekannt... an dem AIDS-awareness-Tag teilten sich unsere zwei Physiklehrer ein Loge, während In & Out lief. Popcorn gab es nie frisch gemacht, das war aber auch egal. Da fing alles an, meine Liebe zu Filmen.

Warum ich gerade heute darauf komme? Ich hab mein Abi 2003 gemacht, hab also noch die Panik in den Schulen nach Erfurt und Columbine miterlebt. Und auch das Ein-Mann-Interaktionstheaterstück "Klamm's Krieg". Und genau da setzt mein Must-See der Woche an: We Need to Talk About Kevin.

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 Der Trailer ist schrecklich erschütternd: Ich hatte von Anfang an eine Gänsehaut, obwohl ein recht unschuldiger Oldie die Bilder einer glücklichen Familie untermalt. Das kreischende Schreien eines Säuglings unterbricht die Musik und bestätigt den ersten Verdacht, dass das hier keine leichte Kost wird. Der eintönige Alltag des Durchschnittsmenschen wird erzählt und gezeigt, eine überforderte Mutter, der Einfluss der Medien, der Druck, die Unbedeutsamkeit des einzelnen Menschen, die es nie in die Medien schaffen, "[...] nothing is really happening." Da schwant einem schon nichts Gutes. Hier will jemand Aufmerksamkeit um jeden Preis. Bilder von Essen und essenden Menschen unterstreichen diesen Hunger, das Animalische eines jeden Menschen, vielleicht auch eine Art Kannibalismus. Und dann geschieht das Unglück. Dem Auslöser des Ganzen gilt das Schlussbild des Trailers... mit dem Finger im Wasser erschafft er eine Welle. Wer denkt hier nicht an die Massenpanik, die Betroffenheit, die Wut, das Unverständnis, die allgemeine Suche nach dem Schuldigen? 

Ich muss diesen Film sehen. Tilda Swinton ist die Mutter des satanisch aussehenden Kevin (Ezra Miller) und damit ist er für mich schon Pflichtprogramm. Die Frau ist der Wahnsinn. Leider gibt es für  We Need to Talk About Kevin noch kein Deutschland-Release-Date. Ende September kommt er in Frankreich raus, Anfang Dezember in den Staaten. 

Ein zweites Must-See ist für mich Tinker Tailor Soldier Spy (dt. Dame, König, As, Spion). Rein zufällig spielen in diesem Film einige meiner britischen Lieblingsschauspieler mit... Gary "Stansfield" Oldman, Colin Firth, Ciarán Hinds (neben Alan Rickman einer der tollsten, älteren Charakterdarsteller), Mark "Samtstimme" Strong und der wunderbare Benedict Cumberbatch. 

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Ich habe noch nie einen John Le Carré-Roman gelesen und mag eigentlich gar keine Spionage-Thriller, but I'm a sucker for Cold War films. Das ist echt mein Ding, dazu hab ich schon so viel gelesen, das find ich so spannend. Das und der Cast qualifiziert den Film also schon :) Leider kommt er erst am zweiten Februar 2012 in die deutschen Kinos... da heißt es warten warten warten.

Geflopt ist nichts so hundertprozentig, außer vielleicht Thumbsucker. Davon hab ich aber schon hier berichtet. Ich hatte mir mehr erwartet. 

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Noch taufrisch ist Fierce People. Ich bin mir nicht mehr sicher, warum er auf meiner Liste gelandet ist, ich denke Kristen Stewart und Donald Sutherland waren aussschlaggebend, vor allem wohl letzterer, weil ich dessen Stimme einfach mal vergöttere. Hört ihn euch mal im Original an, warm und weich, pointierte Sprache, herrlich. Naja, jedenfalls begleitet man Finn und seine Mutter (Diane Lane, wie immer schön) auf das Anwesen eines reichen Familienoberhauptes, der mit seiner Tochter und deren Kindern die Privilegien der obersten paar Tausend genießt. Und natürlich haben alle Dreck am Stecken und ziehen Finn in einen Sog von Sex, Parties, Alkohol und Gewalt. Die Geschichte ist an sich nichts Neues, hält aber trotzdem die Aufmerksamkeit, da Finn sich und seine Welt mit der der Iskanani Indianer, welche sein Erzeuger erforscht, vergleicht. Vater kann man wohl nicht sagen, da er ihn nie gesehen hat. 
Ich möchte nicht spoilern, deshalb nur so viel, es wird unter anderem ein Thema aufgegriffen, welches ich gerne näher untersuchen würde. In Gedanken habe ich schon eine Outline zu einer Hausarbeit über masculinity in Fierce People geschrieben. Spannend. Deshalb gibt's von mir trotzdem eine Empfehlung. Ich fand's spannend und hab mich einmal sogar ganz schön erschreckt. 

Ich hoffe, euch hat's gefallen. Habt ein tolles Wochenende!

Wombattante

1 Kommentar:

  1. Liebe Caro, dein Film Freitag ist mal wieder eine Inspiration. Anton Yelchin...Chekov im neuen Star Trek Film...niedlich. Ich bin interessiert.
    We need to talk about Kevin. Oh ha, den werd ich wohl nicht im Kino mit meinem Mann sehen. (Genauso wenig wie er "The Help" sehen wollte.)
    Man merke: Caro fehlt um die cinematischen Eindrücke zu teilen.

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